
Besonderheiten
Als Besonderheit gelten Bahnen mit 1er-Sessel. Es handelt sich dabei meistens um kleine Anlagen. Einzelne Bahnen dieses Typs werden im Winter als konventioneller Skilift mit Bügel genutzt, während die Sessel im Sommer für den Transport von Wanderern und Touristen dienen. 1er-Sesselbahnen gibt es ausschliesslich mit fixen Klemmen.
Der Ursprung der kuppelbaren Sesselbahn ist die Bauart VR101 der Firma VonRoll. Es handelt sich dabei um Bahnen mit quer zur Bahnachse ausgerichteten Sesseln. Die Beschleunigungsstrecke in der Station ist jeweils als sogenannte schiefe Ebene ausgeführt, über die die Sessel alleine durch Herabrollenlassen über eine geneigte Fahrbahn die Geschwindigkeit des Förderseils erreichen. In der Schweiz ist aktuell nur noch am Weissenstein bei Solothurn eine solche Anlage in Betrieb. Es gibt zwar auch einzelne moderne Bahnen mit Quersesseln. Jedoch handelt es sich dabei um Sonderanfertigungen (z.B. Cardada - Cimetta).
Seit dem Jahr 1984 gibt es Sessel mit Bubbles, die die Fahrgäste vor den Witterungseinflüssen schützen. Es handelt sich dabei um Kunststoffhauben, die von den Fahrgästen selbstständig geöffnet oder geschlossen werden können. Fast jede neugebaute Sessel- bahn wird mit solchen Hauben ausgerüstet.
Ein aussergewöhnliches Gimmick bei einzelnen Anlagen ist die Sitzheizung. Geheizt wird dabei aufgrund technischer Gegebenheiten nur während dem Aufenthalt in den Stationen, was maximal den Effekt eines vorgewärmten Sitzes erzielt. Eine Heizung für die Fahrt in der kalten Winterluft ist diese Einrichtung nicht.
Als Einsteigshilfe kann bei für den Wintersport genutzten Anlagen ein Förderband installiert werden. Es läuft etwas langsamer als die Sesselbahn und ermöglicht so einen sanften Einstieg in den Sessel. Bei fixgeklemmten Anlagen lässt sich so auch die Fahr- geschwindigkeit der Bahn geringfügig erhöhen. Eine weitere Hilfe, besonders für Kinder, sind spezielle hochfahrbare Podeste, die den Niveauunterschied zum Sessel ausgleichen. Im Gegensatz zum Förderband sind sie jedoch nur sehr selten anzutreffen.
Die Firma Müller baute einige wenige Sesselbahnen, deren Sessel mit der bewährten Müller-Schraubenklemme versehen waren. Es handelte sich dabei um eine kuppelbare Klemme, die durch Drehen einer Schraube geöffnet und geschlossen wurde. An dieser Schraube war ein Zahnrad angebracht, welches in den Ein- und Ausfahrbereichen der Stationen in eine fest installierte Zahnschiene griff und so die Kupplung entweder öffnete oder schloss. Die letzte Bahn dieses Typs wurde im Jahr 2005 abgebrochen. Sie führte vom Sattel auf das Hochstuckli und war gleichzeitig die erste Bahn mit diesem Klemmentyp. Ihre Sessel waren quer zur Bahnachse ausgerichtet.
Vereinzelt findet man Anlagen, die als Fahrbetriebsmittel Sessel und Gondeln gleichzeitig verwenden. Man spricht dabei von Kombi- bahnen. Sie eignen sich vorallem in Skigebieten, in denen die betreffende Anlage gleichzeitig als Zubringer wie auch für Wieder- holungsfahrten dient. Ebenfalls eigenen sie sich für Situationen, in denen gleichzeitig der Transport von Fussgängern und Ski- fahrern gewünscht ist. Während die Fussgänger bequem in der Gondel Platz nehmen, nutzen die Skifahrer die Sessel und brauchen so die Ski nicht abschnallen. Technisch sind solche Kombibahnen identisch zu einer kuppelbaren Sesselbahn.
Beschrieb
Sesselbahnen sind Luftseilbahnen mit einem endlosen, umlaufenden Zugseil und einzelnen offenen Sesseln für 1 - 8 Personen. Das Zugseil dient gleichzeitig auch als Tragseil. Einige Sesselbahnen bestehen aus mehreren Sektionen mit einer Mittelstation. Dabei sind die einzelnen Sektionen technisch meistens so ausgeführt, dass sie auch eigenständig betrieben werden können. Einge- setzt werden Sesselbahnen vorallem in Skigebieten zur Erschliessung von Pisten. Da es bei diesem Bahntyp, bis auf einzelne Aus- nahmen, möglich ist während der Fahrt die Skier angeschnallt zu lassen, bietet sie für Wintersportler einen grossen Komfort. Ge- baut werden Sesselbahnen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Bezeichnet wird die Sesselbahn als SB (fix) oder KSB (kuppelbar). Der Begriss DSB bezeichnet einer fixgeklemmte 2er-Sesselbahn.
Funktionsweise
Sesselbahnen werden durch einen zentralen Elektromotor in der Tal- oder Bergstation angetrieben, der über ein Getriebe auf das umlaufende Zugseil wirkt. Er ist meistens oberhalb des Ein- und Ausstiegsbereichs direkt an der Umlenkscheibe angebracht. Bei einzelnen Anlagen befindet er sich allerdings auf Bodenebene oder unterflur in einem Kellerraum. Oft liegt die Abpsannung in der Gegenstation. Alternativ gibt es Anlagen, bei welchen der Antrieb auf einem beweglichen Spannschlitten liegt. Abgespannt wird bei modernen Anlagen in der Regel hydraulisch, während früher fast ausnahmslos auf Spannung mit Betongewichten gesetzt wurde.
Jede Sesselbahn verfügt, abhängig von der Streckenlänge und der Ausführung, über eine Vielzahl von Sesseln. Bei den meisten Anlagen bieten sie Platz für 2, 4 oder 6 Personen. Ein manueller Sicherheitsbügel verhindert, dass Fahrgäste während der Fahrt vom Sessel fallen können. Alle Sessel verfügen über einen Klemmmechanismus, mit dem sie an das Förderseil geklemmt werden. Es gibt dabei zwei Ausführungen: die fixen Klemmen und die kuppelbaren Klemmen.
Sessel mit fixen Klemmen befinden sich dauerhaft fest am Seil. Die nötige Klemmkraft wird dabei durch eine Feder oder eine Spannschraube erreicht. Solche Anlagen können nur mit geringer Geschwindigkeit betrieben werden, da das Auf- und Absteigen in den Stationen gewährleistet werden muss. Der grosse Vorteil von fixen Sesselbahnen ist jedoch, dass nur eine einfache Infrastruk- tur nötig ist. Die antriebslose Station besteht so dann oft auch nur aus einer einfachen Umlenkscheibe, die auf einem festen Sockel montiert ist. Dadurch sind solche Bahnen im Vergleich sehr kostengünstig und eigenen sich auch gut für kleinere Skigebiete mit begrenzten finanziellen Mitteln.
Kuppelbare Klemmen haben den Vorteil, dass während dem Aufenthalt in den Stationen kein Kontakt zum Seil nötig ist. Die Sessel werden dort von speziellen Fördereinrichtungen langsam vorwärts bewegt. Dadurch ist ein bequemes Ein- und Aussteigen möglich. Im Kuppelbereich in der Station werden die Sessel mit Hilfe von Reibrädern auf die Geschwindigkeit des Förderseils gebracht und schlussendlich automatisch an dieses gekuppelt, indem die Klemme geschlossen wird. Gespannt sind die Klemmen meistens mit Spiral- oder Tellerfedern. Dabei wird durch die sogenannten Dosierer erreicht, dass der Abstand zum vorausfahrenden Sessel immer gleich gross ist. Ebenfalls erfolgt kurz vor dem Schliessen der Klemme eine automatische Messung der Federkraft. Ist diese zu gering, so wird die gesamte Anlage automatisch gestoppt.
Die eigentliche Strecke wird von Stützen in mehrere kleine Spannfelder unterteilt. Ausgeführt sind diese Stützen bei älteren Anlagen oft als Fachwerkstütze. Moderne Anlagen hingegen setzten in der Regel auf Rundrohrstützen. Vorallem fixgeklemmte Sesselbah- nen verfügen gelegentlich auch über Portalstützen. Am Stützenkopf finden sich die Rollenbatterien, über welche das Seil läuft. Sie sind mit speziellen Bruchstabschaltern ausgerüstet, die im Falle einer Seilentgleisung sofort einen Nothalt auslösen. Das Seil selbst wird dabei von den sogenannten Seilfängern aufgefangen, welche sich ebenfalls an den Rollenbatterien befinden. Einzelne Stützen können als Niederhalter ausgeführt sein. Dabei wird das Seil von unten über die Rollen geführt. Solche Stützen dienen dazu das Seil beispiels- weise in einer Senke tief zu halten.