
Jeder Schweizer kennt die Aareschleife in Bern, welche die Altstadt der Schweizer Hauptstadt halbinselförmig umfliesst. Über Jahrtausende hat sich die Aare dort einen tiefen Einschnitt geschaffen. Während die eigentliche Stadt oben auf der Ebene liegt, haben sich am Aareufer verschiedene kleinere Siedlungen gebildet. Unter anderem findet man unterhalb des bekannten Bundeshauses das Marziliquartier. Dort be- findet sich neben einem gemütlichen Wohnviertel auch das Marzili- bad, ein bei der Berner Bevölkerung sehr beliebtes Freibad.
Allerdings liegt zwischen Marzili und der Altstadt ein Höhenunterschied von 30 Metern. Die Bewohner am Aareufer hatten so immer einen an- strengenden Aufstieg vor sich wenn sie denn ins Stadtzentrum gelan- gen wollten. Im Sommer 1894 machte sich daher ein Initiativkomitee auf den Weg um für eine bequeme Erschliessung des Marziliquartiers mittels einer Seilbahn zu sorgen. Das dafür nötige Aktienkapital von 60 000 Franken war schnell gefunden und auch die Konzession für den Bau und Betrieb liess nicht lange auf sich warten. Im Frühjahr 1895 begannen schliesslich die Bauarbeiten. Nach kurzer Bauzeit kon- nte die neue Bahn ihren Betrieb am 18. Juli 1895 aufnehmen.
Kreuzung der Wagen in der Streckenmitte.
Die Strecke verläuft ausschliesslich auf einer Stahlbrücke.
Ein Wagen wenig oberhalb der Talstation.
Die lokale Bevölkerung war sofort begeistert von der bequemen Auf- stiegsmöglichkeit. Im Umland hielt sich die Freude allerdings in Grenzen. Von dort verlauteten viele kritische Stimmen.
Betrieben wurde die Bahn per Wasserballast. Das nötige Wasser da- für lieferte der Stadtbach. War der 3500 Liter fassende Tank gefüllt, konnte die kurze Fahrt beginnen. Bereits im Jahr 1914, passend zur Landesausstellung, wurde die Bahn zum ersten Mal überholt. Dabei wurden auch zwei neue Wagen angeschafft, welche pro Fahrt 30 Personen Platz boten.
Über viele Jahre konnte sich der Wasserballast-Betrieb halten. Er war günstig und einfach. Trotzdem kam ab 1974 ein elektrischer Antrieb zum Einsatz. Zeitgleich wurden erneut neue Wagen ange- schafft, welche einen schaffnerlosen Betrieb ermöglichten. Seither wird die Bahn von einem einzigen Angestellten von der Bergstation aus bedient. Die Talstation wird mit Kameras überwacht, der Zugang zu den Kabinen ist durch Glasschiebetüren gesichert.
Die beiden alten Wagen haben glücklicherweise überlebt. Einer be- findet sich im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. Der andere wurde in Sichtweite der Talstation auf einem Stück altem Gleis aufgestellt und erinnert dort jeden Fahrgast an frühere Zeiten.
Jährlich befördert die Marzilibahn heutzutage ungefähr eine Million Passagiere. Mit ihrer Streckenlänge gehört sie zu den kürzesten Seil- bahnen der Welt. Innerhalb von Europa gibt es gerade mal eine ein- zige kürzere Anlage in Zagreb.
Betrieb herrscht täglich durchgehend von morgens bis abends. Ge- fahren wir nach Bedarf. Die Mitfahrt ist für Inhaber eines Verbund- tickets kostenlos. Wer also in Bern einmal ein wenig Zeit vorrätig hat, dem sei hiermit ein Besuch bei der interessanten Anlage empfohlen. Die Bergstation liegt etwas versteckt hinter dem Bundeshaus, ist aber vom Bahnhof aus in wenigen Schritten zu Fuss erreichbar.
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Technische Daten:
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Standseilbahn |
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Status |
in Betrieb |
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Eröffnung |
1895 |
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Umbau |
1974 |
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Antriebsart |
elektrisch (Berg) |
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Talstation |
Marzili |
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Bergstation |
Bundesterrasse |
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Länge |
105 m |
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Höhenunterschied |
32 m |
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Max. Steigung |
33 % |
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Fahrtdauer |
1 min |
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Wagen |
2 |
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Plätze |
30 |
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Motorenleistung |
? |
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Geschwindigkeit |
3 m/s |
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Förderleistung |
900 p/h |
Bilder:
P. Balzli