Funifor
zurück zur Übersicht

Besonderheiten

Ein Funifor ist an und für sich schon eine Besonderheit in der Seilbahnwelt. Die einzelnen Anlagen sind jedoch technisch praktisch baugleich. Besonderheiten im eigentlichen Sinne gibts es bisher nicht.

Home
News
Bahnanlagen
Bahntechnik
Gästebuch
Forum
Links
Kontakt

Beschrieb

Unter einem Funifor versteht man eine Art Kombination von Funitel und klassischer Pendelbahn. Es gibt zwei Spuren mit je zwei Trag- und Zugseilen sowie je eine Kabine pro Spur. Da sich die Seile aussenseitig statt mittig wie bei der Pendelbahn befinden, wird eine sehr hohen Windstabilität erreicht. Ein weiterer Vorteil ist, dass die beiden Kabinen unabhängig voneinander verkehren kön- nen. So kann gezielt auf das Passagieraufkommen reagiert werden, indem beispielsweise nur auf einer Spur gefahren wird. Eben- falls lassen sich so Wartungsarbeiten während dem laufenden Betrieb erledigen, indem einfach die zu wartende Spur ausser Betrieb genommen wird. Funifors findet man aktuell nur in Italien. Eine Anlage liegt auf dem Stilfser Joch nahe der Schweizer Grenze. Dabei handelt es sich gleichzeitig um die erste Funifor-Anlage weltweit. Sie wurde im Jahr 2000 in Betrieb genommen.

Funktionsweise

Jede der zwei Spuren verfügt über einen eigenen Antrieb, welcher in der Tal- oder Bergstation angebracht ist und auf eine doppelt gelegte Zugseilschlaufe wirkt. Diese Schlaufe ergibt so zwei Zugseile pro Spur, wobei es sich effektiv um das selbe Seil handelt. Da- mit eine gleichmässige Kraftausübung auf die Kabine erfolgt, ist das Seil an der Kabine nicht fix befestigt. Es wird am Laufwerk über insgesamt vier liegende Umlenkscheiben auf die jeweils andere Kabinenseite geführt (zwei pro Fahrrichtung). So erfolgt auto- matisch ein sofortiger Ausgleich sobald eine Zugseilspur mehr Zugkraft aufweist als die andere. Die Rückführung des Seils von der Gegenstation erfolgt auf einer eigenen Spur oberhalb der Kabine.

Auf der Strecke befinden sich die Stützen, welche das Seil ähnlich wie bei einer Pendelbahn hochhalten. Aufgrund der Zugseilrück- führung und dem seitlichen Abstand der zwei Seile handelt es sich dabei um grosse Konstruktionen, die den Sützen eines Funitels sehr ähnlich sehen. Die Tragseile werden dabei durch eine Konstruktion von oben her hochgehalten. Sie liegen auf einem Seilsattel auf. Direkt darunter befinden sich Rollen, über welche das Zugseil läuft.

Damit sich die beiden Zug- und Tragseile nicht seitlich voneinander entfernen können, werden Seilreiter eingesetzt. Diese finden sich in regelmässigen Abständen auf der freien Strecke. Im Gegensatz zu den bei anderen Bahntypen eingesetzten Exemplaren greifen die Seilreiter von Funifors von oben statt unten an die Seile. Dies ist so nötig, damit die Kabine hindernisfrei passieren kann. Oben an den Seilreitern befinden sich zusätzlich Rollen, über welches das rückführende Seil erfolgt.

Während bei anderen Bahntypen oft Rettungsbahnen errichtet werden um im Falle eines technischen Defekt die Passagiere aus den Kabinen bergen zu können, kann bei einem Funifor darauf verzichtet werden. Sollte eine Fahrspur während der Fahrt einen Defekt erleiden, so können die Fahrgäste mit Hilfe der Kabine auf der zweiten Fahrspur evakuiert werden.

Theoretisch ist es möglich, ein Funifor auch nur mit einer Spur zu bauen. Dies ist bisher jedoch noch nicht geschehen. Ein Grund dafür dürfte mitunter sein, dass bei nur einer Spur der grosse Vorteil des unabhängigen Betriebs von zwei Kabinen und eine damit erhöhte Kapazität gegenüber einer Pendelbahn verloren gehen würde.

Fotos: M. Armold

Detailansicht des Laufwerks
Klassisches Funifor
Talstation mit Kabine
Die Strecke eines Funifors